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Bunte Teller – starke Kinder

Kategorie: Kindergesundheit

Lesedauer: 10 Minuten

Veröffentlicht am:

Ohhhh, wie lecker! Das hört jeder gerne, der seine Kinder bekocht. Nicht immer ist es so einfach, den richtigen Geschmack zu treffen, besonders, wenn die Mahlzeit auch noch ausgewogen und gesund sein soll. Wer aber von Anfang an, auf eine vielfältige und leckere wie gesunde Zubereitung Wert legt, gewöhnt den Nachwuchs frühzeitig und ganz automatisch daran, dass gesunde Lebensmittel besonders lecker sein können.

Gesunde Ernährung für ein starkes Aufwachsen

Eine ausgewogene Ernährung ist für Kinder von zentraler Bedeutung, denn sie legt den Grundstein für ein gesundes Aufwachsen. In den ersten Lebensjahren entwickelt sich nicht nur der Körper, sondern auch das Immunsystem und das Gehirn – dafür braucht es die richtigen Nährstoffe. Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiß und gesunde Fette unterstützen Wachstum, Konzentration und Leistungsfähigkeit im Alltag. Kinder, die regelmäßig ausgewogen essen, sind oft belastbarer und seltener krank.

Gleichzeitig beeinflusst Ernährung auch das Essverhalten im späteren Leben, denn Gewohnheiten aus der Kindheit bleiben häufig bestehen. Frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und ausreichend Flüssigkeit sollten daher selbstverständlich zum Speiseplan gehören. Zuckerreiche Snacks und stark verarbeitete Lebensmittel hingegen sollten nur gelegentlich angeboten werden. Wichtig ist auch eine positive Essatmosphäre, in der Kinder ohne Druck neue Lebensmittel ausprobieren dürfen.

Eltern und Bezugspersonen haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion, denn Kinder orientieren sich stark am Verhalten der Erwachsenen. Gemeinsame Mahlzeiten fördern nicht nur gesunde Ernährung, sondern auch den Familienzusammenhalt. Wer früh auf eine gute Ernährung achtet, unterstützt Kinder dabei, gesund, fit und selbstbewusst aufzuwachsen.

Xenia Magidina ist Gesundheits- und Sportwissenschaftlerin und Geschäftsführerin der ProVita Gesellschaft für Gesundheitsförderung mbH. Ihr liegt das Thema Ernährung und Kinder sehr am Herzen und wir freuen uns, dass sie uns mit einem Kurzinterview zu dem Thema unterstützt:

Sehen Sie in Ihrer Arbeit Tendenzen, dass sich Kinder heute anders ernähren als vor, sagen wir mal, 10 bis 15 Jahren? Und wenn ja, welche Konsequenzen hat das für die Entwicklung?
Meiner Meinung nach hat sich die Ernährung deutlich verändert. Einerseits verfügen Familien heute über wesentlich mehr Wissen zum Thema gesunde Ernährung. Informationen sind leicht zugänglich, und das Bewusstsein für ausgewogene Mahlzeiten, frische Zutaten und eine gesunde Lebensweise ist grundsätzlich gestiegen. Andererseits führt die enorme Informationsflut – insbesondere durch Social Media – auch zu einer zunehmenden Verunsicherung. Unterschiedlichste Ernährungstrends, widersprüchliche Empfehlungen und teils fragwürdige Aussagen erschweren es vielen Familien, klare Orientierung zu finden. Hinzu kommt, dass heute deutlich mehr stark verarbeitete Lebensmittel auf dem Markt sind als noch vor einigen Jahren. Diese Produkte sind jederzeit verfügbar, schnell konsumierbar und oft gezielt auf Kinder ausgerichtet. Dadurch greifen Kinder heutzutage häufiger zu weniger gesunden Alternativen, was langfristig Auswirkungen auf ihr Ernährungsverhalten haben kann. Die Konsequenz ist, dass eine unausgewogene Ernährung bereits im frühen Kindesalter der Grund für gesundheitliche Beeinträchtigungen sein kann, was das Risiko für spätere Erkrankungen im weiteren Lebensverlauf deutlich erhöhen kann.

Wie schätzen Sie eine gute körperliche Entwicklung für Kinder im Zusammenhang mit einer ausgewogenen Ernährung ein?
Ich bin der Ansicht, dass eine gesunde Ernährung eng mit einer guten körperlichen Entwicklung zusammenhängt. Kinder benötigen für ihr Wachstum wichtige Nährstoffe, die unter anderem den Knochenbau, die Muskelentwicklung und das Immunsystem unterstützen. Eine ausgewogene Ernährung bildet somit die Grundlage für ein gesundes Aufwachsen und langfristiges Wohlbefinden.

Welche Rolle nehmen Kita, Schule und Kindergarten bei dem Thema Ernährung ein. Sehen Sie die Institutionen gut aufgestellt in dem Thema?
Kita, Kindergarten und Schule nehmen beim Thema Ernährung eine sehr wichtige Rolle ein. Sie sind neben dem Elternhaus zentrale Bildungs- und Sozialisationsorte und prägen das Ernährungsverhalten von Kindern nachhaltig. Hier werden nicht nur Mahlzeiten angeboten, sondern auch Werte, Routinen und ein grundlegendes Verständnis für gesunde Ernährung vermittelt. Ob die Institutionen gut aufgestellt sind, hängt stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. Viele Einrichtungen legen inzwischen großen Wert auf ausgewogene Verpflegung und Ernährungsbildung. Gleichzeitig bestehen jedoch Unterschiede – etwa in Bezug auf personelle Ressourcen, Budget, Qualitätsstandards oder Weiterbildung des Personals. Grundsätzlich bieten diese Institutionen großes Potenzial, Kinder frühzeitig für eine bewusste und ausgewogene Ernährung zu sensibilisieren. Entscheidend ist jedoch, dass entsprechende Konzepte konsequent umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Was können Eltern tun, um gesunde Ernährung den eigenen Kindern „schmackhaft“ zu machen?
Meiner Ansicht nach muss man Kindern gesunde Ernährung nicht künstlich „schmackhaft“ machen. Viel entscheidender ist die Vorbildfunktion der Eltern. Kinder orientieren sich von Anfang an am Essverhalten ihrer Bezugspersonen. Sobald sie mit der Beikost beginnen, sollten sie – angepasst an ihr Alter – grundsätzlich das Gleiche essen wie die Eltern. Das bedeutet auch, dass im Familienalltag Lebensmittel gewählt werden, die nährstoffreich sind und den Kindern guttun. Dazu gehören selbstverständlich ebenso passende Getränke. Wenn Kinder von klein auf mit einer ausgewogenen Ernährung aufwachsen, erleben sie diese als selbstverständlich und normal. Kinder probieren aus, entdecken Geschmäcker und entwickeln Schritt für Schritt ihre Vorlieben. Wachsen sie mit gesunden Lebensmitteln auf, werden sie diese ganz natürlich annehmen – und sie als etwas Positives und Wohltuendes empfinden.

Xenia Magidina hat uns noch ein ganz persönliches Statement mit auf den Weg gegeben. Sicher teilt sie sich ihre Meinung mit vielen anderen Mamas und Papas. Deshalb möchten wir unsere Leser gerne daran teilhaben lassen.
Noch ein Hinweis oder Wunsch, der mir persönlich am Herzen liegt und wie ich finde auch ein besonderes Problem darstellt: Derzeit beobachte ich bei uns ein strukturelles Problem im Bereich der Kinderernährung – und das ganz besonders, seit ich selbst Mama eines zweijährigen Kindes bin. Erst durch meinen eigenen Alltag mit Kind sind mir diese Missstände in dieser Deutlichkeit bewusst geworden. In vielen Freizeiteinrichtungen – seien es Spaßbäder, Indoorspielplätze oder Restaurants mit spezieller Kinderkarte – ist das Angebot stark von Fast Food und hochverarbeiteten Lebensmitteln geprägt. Die Auswahl für Kinder besteht häufig aus wenigen, sehr einseitigen und wenig ausgewogenen Gerichten. Gesunde oder frische Alternativen sucht man vielerorts vergeblich. Erschwerend kommt hinzu, dass in manchen Einrichtungen sogar mitgebrachtes Essen nicht erlaubt ist. Eltern haben dadurch kaum eine Möglichkeit, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, und sind gezwungen, auf das vorhandene – oftmals wenig gesunde – Angebot zurückzugreifen. Sicher ist es nicht dramatisch, auch mal zu Pommes, Nuggets oder anderen Fast-Food-Angeboten zu greifen. Trotzdem... es sollte auch immer eine gesündere Alternative geben.